Insights Interview

Du hast eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolviert und Wirtschaftspsychologie studiert. Ein typischer Weg raus aus dem klassischen Headhunting? Wie kam es dazu?

Ich habe das Investmentbanking als Startschuss für viele Unternehmer verstanden. Wenn man als „klassischer Headhunter“ die schier unfassbare Größe des eigenen Haifischbeckens umreist, versteht jemand wie viel Vertriebs- und Wettbewerbsstärke für die Personalberatungsbranche als Solche, aber im Besonderen die Konkurrenzsituation der Unternehmen untereinander richtig einzuschätzen notwendig ist.

Es stellt sich somit nur noch die Frage, angenommen die Investmentbank oder eine Investmentfrage käme an 1. Stelle, was benötigt das Haifischbecken der Personalberatung oder ein Unternehmergeist zuallererst?

Antworten auf die drängendsten Fragen: einen wirtschaftspsychologischen und fachlichen versierten Zugang zu der ehrlichsten, fairsten und Wettbewerbs-stärkste Auskünften, die zu einer Investitionsinformation werden kann.

Quasi wie eine perfekte Google Suche nach einer Auskunft oder KI Prompt verlaufen würde. Welche Information hätte man sich immer gerne zuerst gewünscht. Was, wie und warum wäre zuerst zu erledigen, ehe der 1. € in die Hand genommen wird?

Du hast nahezu dein ganzes Berufsleben für produzierende und beratende Industrieunternehmen gearbeitet. Was begeistert dich so an dieser Branche?

Ich stamme gewollt manchmal ungewollt einer Unternehmerfamilie. Ich liebe es, Dinge entstehen zu sehen und die dafür die notwendigen Prozesse zu verstehen. Es fasziniert mich, durch Werkshallen zu gehen und zu analysieren, wie aus Rohmaterial ein fertiges Produkt, System oder eine Maschine wird. Es ist fantastisch, diesen Entstehungsprozess zu beobachten.

Kannst du dich noch an dein erstes Mandat/Spezialauskunft bei Thyssen erinnern?

Ja, absolut. Ein Geschäftsführer war lediglich auf der Suche nach einer Zweitmeinung in der Werksproduktion und einer Person/Interimer, der ihn so beeindruckt, dass der hauseigene Wettbewerb seiner Branche überholt hat. Dafür war keine Extraeinstellung für die Umsetzung notwendig, aber die Information kam nach 24 h und war so heikel, wie ein Geschäftsführergehalt.

Neben den ohnehin herausfordernden Rahmenbedingungen in Deutschland steht die Industrie und der Maschinenbau vor einer echten Herkulesaufgabe: Sie soll bis 2040 klimaneutral produzieren und alle Lieferketten in die Klimaneutralität einbeziehen. Was bedeutet das für das „Headhunting“?

Das bedeutet, dass wir auch in den Aufsichts- und Vorstandsgremien und Geschäftsführung brauchen, die über dieses Know-how verfügen und somit beurteilen können, ob strategische Investitionsentscheidungen in Werke oder Technologien langfristig auf das Unternehmensziel einzahlen werden.

Welche Schlüsselqualifikationen sind aus deiner Sicht für Mitglieder von Vorstands-, Aufsichtsrats- und Beiratsgremien heute unerlässlich?

Ein technologisches Verständnis davon, wie konkret Emissionen im Produktionsprozess gesenkt werden können. Meiner Meinung nach sollte Diversität auch in diesen Disziplinen die Geschäftsleitung bereichern.

Zusätzlich zu Industrie- und Maschinenbauunternehmen besetzt du seit vielen Jahren auch Führungspositionen in Private-Equity-Firmen und PE-finanzierten Unternehmen. Hat das etwas mit dem Investmentbanking zu tun und was glaubst du, müssen Führungspersönlichkeiten mitbringen, die in diesem Umfeld erfolgreich sein wollen?

Immer vor dem Hintergrund es geht um die Investitionsgesamtrendite, an der Zusammenarbeit mit PE-Fonds und deren Portfolio-Unternehmen schätze ich die Leidenschaft, die Veränderungsbereitschaft und die Schnelligkeit der Arbeitsweise. Personen, die hier erfolgreich sein wollen, müssen über eine Kombination aus kognitivem und wirtschaftspsychologischem Vermögen, strategischer Kompetenz und operativer Umsetzungsfähigkeit und -freude verfügen.

Die Begleitung von Nachfolgelösungen in Unternehmen gehört zu deinem Aufgabengebiet. Diese Prozesse sind oft emotional aufgeladen, da der Alt-Unternehmer sein Lebenswerk loslassen und der Nachfolger seinen neuen Platz im Unternehmen finden muss. Welche Unterstützung kannst du in dieser Situation bieten?

Verständnis auf beiden Seiten erzeugen und durch einen moderierten Gesprächsdialog die Übergangsphase begleiten. Es geht um unheimlich wertvolles und unverzichtbares Wissen und den wohl verdienten Ruhestand, der auch gerne in eine Beraterfunktion übergehen darf.

Was meinst du, was ist dein wichtigster Benefit für deine Mandanten?

Die Ehrlichkeit, Transparenz, Schnelligkeit und Leidenschaft der Schnellste zu sein, der auf marktführende Informationen und Meinungen verweisen kann.
Mein Auftrag ist die Gestaltung des fairsten Wettbewerbs und das sind authentische Erstinformation. Je ehrlicher eine Geschäftsführung sich umgangssprachlich traut ein Bedrohungsszenario anzusprechen, umso wert- und gehaltvoller wird meine Mission, die von vor der 1. Investmententscheidung folgen wird. Dieses Commitment ist mehr wert als jede Interims- oder Personalvermittlung.

Was ist dein bisher schönster/bitterschöner Moment im Berufsleben?

Schöne Momente gibt es zum Glück viele. Wahrhaftige Dankbarkeit, wofür ich keine Werbung schalten kann, denn der Vorgang musste zu diskret verlaufen. Wenn das Helfersyndrom in mir befriedigt ist, dann spricht das Ergebnis eine eigene Renditesprache.

Was ist deine wichtigste „Lesson learned“?

Wie heikel, schnell und transparent, darf eine Marktinformation sein, um den Wettbewerb auszustechen. Wie sehr dürfen ganze Beratereinheiten vermieden werden dürfen.
Ich führe über Vertrauen, erwarte Leistung und unterstütze bei Bedarf. Ich schätze es, wenn Mitarbeiter offen sagen, wenn sie ein Problem haben und bin immer ansprechbar. Von Mikromanagement halte ich nichts.

Welche Eigenschaften oder Skills machen eine Führungskraft für dich herausragend?

Strategische und psychologische Kompetenz, Begeisterungsfähigkeit, Kommunikation und Umsetzungskompetenz.

Du bist Vater von zwei Kindern, die Ausbildung und Studium noch vor sich haben. Was rätst du deinen Kindern bzgl. Berufswahl und Karriereplanung?

Medizin- oder medizinische Psychologie wird noch viel mehr gebraucht werden als Wirtschaftspsychologie. Sucht euch nicht unbedingt meine Haifischbecken aus, bei der ihr Anderen ans Bein pinkeln müsst, wenn ihr wahrhaftig helfen wollt.

Ich rate beiden zu versuchen eine eigene Leidenschaft zu entdecken, mit der sich viel Zeit und Energie, in ein gerechtes Gehalt zurückfließen lässt. Mit Leidenschaft auch noch eine Arbeit zu finden, macht einen automatisch besser als der Durchschnitt.

Ich rate und erwarte Leistung zu bringen und erziehe sie dazu, sich anzustrengen. Wenn sie fleißig sind, wird die Note der Arbeit sekundär. Aus Bequemlichkeit unter seinen Möglichkeiten zu bleiben, ärgert mich, weil wir uns alle und immer im Leben anstrengen müssen und dies auch Spaß machen darf.

Es muss nie um das größtmögliche Gehalt gehen, aber bitte nicht unter seinen Möglichkeiten aus Bequemlichkeitsgründen bleiben. Wahrhaftige Dankbarkeit erzeugen, kann ein ganz besonders wertvolles Gefühl in einem auslösen. Die Medizin ist da gar nicht so schlecht. Aber auch andere Dienstleister und Hilfsjobs werden gebraucht und müssen nicht minder glücklich machen.

Vielen Dank für die vielen, ehrlichen Antworten. Für einen Dienstleister sicherlich keine Selbstverständlichkeit!

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